
Der Zustieg: Mendoza bis Basecamp
Alles beginnt in Mendoza (rund 750 m), der Weinstadt am Fuß der Anden: Permit abholen, letzte Einkäufe, Equipment-Check. Von dort geht es per Transfer zum Parkeingang des Parque Provincial Aconcagua auf knapp 3.000 Metern.
Die erste Etappe führt nach Confluencia (ca. 3.300 m), ein bewirtschaftetes Zeltlager mit richtigen Köchen. Von hier lohnt die Akklimatisierungstour zur Plaza Francia mit Blick auf die berühmte Südwand – 3.000 Meter Fels und Eis, eine der großen Wände der Anden.
Weiter geht es durch das lange, staubige Valle de Horcones – die Etappe, auf der die Muli-Karawanen das Material transportieren – bis ins Basislager Plaza de Mulas auf etwa 4.300 Metern, eine kleine Zeltstadt mit Küchen, Medical Checks und sogar der höchsten Kunstgalerie der Welt.
Akklimatisierung: hoch steigen, tief schlafen
Im Basecamp beginnt der eigentliche Rhythmus einer Höhenexpedition: Lastentragen in die Hochlager, wieder absteigen, Ruhetage. Klassische Akklimatisierungsziele sind die Gletscherlagune oberhalb des Camps und der Cerro Bonete (5.074 m) – mein erster Fünftausender dieser Expedition. Wie viele Rotationen es werden, entscheiden Wetter und Guides, nicht der Kalender.
Die Hochlager
| Lager | Höhe (ca.) | Charakter |
|---|---|---|
| Camp 1 – Plaza Canadá | 5.050 m | Erste Nacht über 5.000, exponierter Rücken |
| Camp 2 – Nido de Cóndores | 5.550 m | Weites Plateau, berüchtigt für Sturm – hier klang der Wind wie ein Güterzug |
| Camp 3 – Cólera | 6.000 m | Das Sprungbrett: Von hier startet der Gipfeltag |
Ab Camp 1 trägt man sein Leben selbst den Berg hinauf – bis zu 20 Kilo pro Etappe, sofern man keine Porter bucht. Gekocht wird selbst: Schnee schmelzen, Gefriergetrocknetes, Tee.
Der Gipfeltag
Start gegen 5:00 Uhr bei Dunkelheit und – in unserem Fall – minus 25 Grad. Die Route führt über die Ruine der Independencia-Hütte (ca. 6.400 m) in die windgepeitschte Traverse (bei uns Böen bis 80 km/h) und schließlich in die Canaleta: 300 Höhenmeter loses Geröll auf über 6.600 Metern, der zäheste Abschnitt des ganzen Berges. Über den Grat geht es zum Gipfelkreuz auf 6.961 Metern.
Bei uns: Gipfelankunft um 14:52 Uhr, 15 Stunden unterwegs, sechs von zwölf Teilnehmern oben. Und dann das Wichtigste: der lange Abstieg, auf dem die meisten Unfälle passieren – der Gipfel ist die Hälfte, nicht das Ziel.
Welche anderen Routen gibt es?
Dieser Artikel beschreibt die Normalroute – den Weg, den die große Mehrheit geht und den auch ich gegangen bin. Der Vollständigkeit halber die Alternativen:
- 360° / Polish Glacier Traverse: Der Aufstieg über das Vacas-Tal zum Basislager Plaza Argentina, der Abstieg über die Normalroute – „die zwei Gesichter des Berges". Technisch kaum schwieriger, aber länger, einsamer, landschaftlich spektakulärer und etwas kälter; die Akklimatisierung verläuft gradueller. Auch das Permit ist teurer.
- Polish Glacier Direct: Der direkte Aufstieg über den Polengletscher – eine ernsthafte Eistour für sehr erfahrene Seilschaften, kein geführtes Standardprogramm.
- Südwand: 3.000 Meter Fels und Eis, eine der großen Wände der Anden – Extremalpinismus, eine ganz andere Sportart als alles, worum es auf dieser Seite geht.
Für den ersten Aconcagua ist die Wahl in der Praxis: Normalroute oder 360. Beides sind Trekking-Aufstiege ohne Kletterpassagen – die Normalroute bietet mit dem Cerro Bonete sogar zwei Gipfel in einer Expedition.
Die Route, wie sie sich wirklich anfühlt
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