Aconcagua-Wissen · Route

Die Normalroute: Etappen, Lager und Ablauf

Von Mendoza bis auf 6.961 Meter – so ist eine Expedition über die Normalroute aufgebaut, Etappe für Etappe. Der Ablauf entspricht meiner Expedition im Januar 2024 (18 geplante Tage).

Routenkarte der Aconcagua-Normalroute mit allen Lagern und Höhenprofil
Die Normalroute mit allen Lagern – die Karte stammt aus dem Buch.

Der Zustieg: Mendoza bis Basecamp

Alles beginnt in Mendoza (rund 750 m), der Weinstadt am Fuß der Anden: Permit abholen, letzte Einkäufe, Equipment-Check. Von dort geht es per Transfer zum Parkeingang des Parque Provincial Aconcagua auf knapp 3.000 Metern.

Die erste Etappe führt nach Confluencia (ca. 3.300 m), ein bewirtschaftetes Zeltlager mit richtigen Köchen. Von hier lohnt die Akklimatisierungstour zur Plaza Francia mit Blick auf die berühmte Südwand – 3.000 Meter Fels und Eis, eine der großen Wände der Anden.

Weiter geht es durch das lange, staubige Valle de Horcones – die Etappe, auf der die Muli-Karawanen das Material transportieren – bis ins Basislager Plaza de Mulas auf etwa 4.300 Metern, eine kleine Zeltstadt mit Küchen, Medical Checks und sogar der höchsten Kunstgalerie der Welt.

Akklimatisierung: hoch steigen, tief schlafen

Im Basecamp beginnt der eigentliche Rhythmus einer Höhenexpedition: Lastentragen in die Hochlager, wieder absteigen, Ruhetage. Klassische Akklimatisierungsziele sind die Gletscherlagune oberhalb des Camps und der Cerro Bonete (5.074 m) – mein erster Fünftausender dieser Expedition. Wie viele Rotationen es werden, entscheiden Wetter und Guides, nicht der Kalender.

Die Hochlager

LagerHöhe (ca.)Charakter
Camp 1 – Plaza Canadá5.050 mErste Nacht über 5.000, exponierter Rücken
Camp 2 – Nido de Cóndores5.550 mWeites Plateau, berüchtigt für Sturm – hier klang der Wind wie ein Güterzug
Camp 3 – Cólera6.000 mDas Sprungbrett: Von hier startet der Gipfeltag

Ab Camp 1 trägt man sein Leben selbst den Berg hinauf – bis zu 20 Kilo pro Etappe, sofern man keine Porter bucht. Gekocht wird selbst: Schnee schmelzen, Gefriergetrocknetes, Tee.

Der Gipfeltag

Start gegen 5:00 Uhr bei Dunkelheit und – in unserem Fall – minus 25 Grad. Die Route führt über die Ruine der Independencia-Hütte (ca. 6.400 m) in die windgepeitschte Traverse (bei uns Böen bis 80 km/h) und schließlich in die Canaleta: 300 Höhenmeter loses Geröll auf über 6.600 Metern, der zäheste Abschnitt des ganzen Berges. Über den Grat geht es zum Gipfelkreuz auf 6.961 Metern.

Bei uns: Gipfelankunft um 14:52 Uhr, 15 Stunden unterwegs, sechs von zwölf Teilnehmern oben. Und dann das Wichtigste: der lange Abstieg, auf dem die meisten Unfälle passieren – der Gipfel ist die Hälfte, nicht das Ziel.

Welche anderen Routen gibt es?

Dieser Artikel beschreibt die Normalroute – den Weg, den die große Mehrheit geht und den auch ich gegangen bin. Der Vollständigkeit halber die Alternativen:

Für den ersten Aconcagua ist die Wahl in der Praxis: Normalroute oder 360. Beides sind Trekking-Aufstiege ohne Kletterpassagen – die Normalroute bietet mit dem Cerro Bonete sogar zwei Gipfel in einer Expedition.

Der Zeitplan ist eine Idealvorstellung. Der Berg entscheidet: In unserer Saison gab es zuvor 16 Tage ohne ein einziges Gipfelfenster. Gute Veranstalter planen Puffertage ein – und gute Bergsteiger akzeptieren, dass auch die verfallen können.
Buchcover: Der steinerne Wächter von Raphael Mielke

Die Route, wie sie sich wirklich anfühlt

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