Aconcagua-Wissen · Kosten

Was kostet eine Aconcagua-Expedition wirklich?

Die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird – und auf die es im Netz erstaunlich viele geschönte Antworten gibt. Hier ist meine ehrliche Vollkostenrechnung, Stand meiner Expedition im Januar 2024.

Die großen Blöcke

Meine geführte Expedition kostete 5.800 € – inklusive Leihequipment, also Schlafsack, Parka, Double Boots und Mittens. Wer die Ausrüstung selbst kauft, verlagert die Kosten nur: Allein diese vier Posten kommen neu schnell auf mehrere Tausend Euro.

Ein Blick auf die Preislogik der Veranstalter lohnt sich: Der Listenpreis meiner Expedition lag bei rund 5.400 USD, der Frühbucherpreis einige Monate vorher bei etwa 4.200 USD – über 20 Prozent Unterschied für dieselbe Leistung. Reserviert wird meist mit einer kleinen Anzahlung (bei mir ~500 USD), der Rest ist typischerweise 90 Tage vor Abreise fällig – und Aktionspreise gelten oft nur bei Zahlung per Banküberweisung. Früh buchen ist am Aconcagua der einfachste Spartipp überhaupt.

Das Permit: der unterschätzte Pflichtposten

Das Permit für den Nationalpark ist bei praktisch keinem Veranstalter im Preis enthalten und wird nach Saison und Route gestaffelt. Zu meiner Saison 2023/24 sah das so aus:

SaisonNormalroute360 Polish
Nebensaison (bis 14.12. / ab 1.2.)600 USD730 USD
Hauptsaison (15.12.–31.1.)800 USD950 USD

Ich war in der Hauptsaison unterwegs und habe die vollen 800 USD gezahlt. Die Preise werden jährlich neu festgelegt und sind seitdem eher gestiegen – vor der Buchung aktuell prüfen.

Die Versicherung: mein teuerster Beinahe-Fehler

Der Nationalpark verlangt eine Versicherung, die Bergungen bis 7.000 Meter inklusive Helikopter abdeckt – nachzuweisen mit einer Police auf Englisch oder Spanisch. Meine normale Auslandskrankenversicherung deckte genau das nicht, was ich erst kurz vor Abreise erfuhr; ich musste in letzter Minute zu einem Spezialanbieter wechseln (rund 650 €). Die Lehre: Versicherungsfrage vor der Buchung klären, nicht danach – und die englischsprachige Police griffbereit haben.

Zahlungswege und Bargeld

Zwei Dinge, die mir vorher niemand gesagt hat: Internationale Zahlungen an argentinische Veranstalter laufen oft über Wege mit spürbaren Gebühren (bei mir 30–40 USD pro Überweisung) – das läppert sich bei Anzahlung, Restzahlung und Permit. Und in Argentinien selbst gilt: US-Dollar in bar mitnehmen. Geldautomaten geben nur kleine Mengen Pesos zu schlechtem Kurs aus, Kartenzahlungen haben happige Aufschläge – Extras am Berg werden praktisch immer in USD-Cash bezahlt.

Die unterschätzten Extras

Am Berg wird vieles einzeln bezahlt: Eine warme Dusche im Basecamp kostet etwa 50 €, WLAN-Pakete sind teuer und funktionieren ohne Garantie, und wer Porter für alle Etappen in die Hochlager will, zahlt happige Aufpreise. Ich habe mein Gepäck – bis zu 20 Kilo – fast komplett selbst getragen und mir nur für die Etappe von Camp 1 nach Camp 2 einen Porter genommen.

Die realistische Gesamtsumme

PostenKosten (Stand 2023/24)
Geführte Expedition inkl. Leihequipment5.800 € (Frühbucher deutlich günstiger)
Nationalpark-Permit (Hauptsaison, Normalroute)800 USD
Spezialversicherung (Bergung über 6.000 m)ca. 650 €
Flüge nach Mendoza, Hotels, Verpflegungje nach Buchung
Extras, Bargeldreserve, Zahlungsgebühreneinige Hundert €
Realistisches Gesamtbudget8.000–10.000 €
Alle Zahlen stammen aus meiner Expedition 2023/24 und dürften inzwischen etwas gestiegen sein – als Größenordnung und Checkliste stimmen sie weiterhin. Und bei jedem Angebotsvergleich gilt: genau lesen, was enthalten ist. Ein günstiger Grundpreis mit teuren Pflicht-Extras ist am Ende oft teurer als ein ehrliches Komplettpaket.
Buchcover: Der steinerne Wächter von Raphael Mielke

Die ganze Geschichte dazu steht im Buch

„Der steinerne Wächter“ erzählt die Expedition hinter diesen Zahlen – drei Wochen zwischen Staub, Sturm und dünner Luft. #1 Amazon-Bestseller (Reisen nach Argentinien).

Jetzt auf Amazon kaufen

Weiterlesen: Training für den Aconcagua · Die Packliste für den Gipfeltag · Wie gefährlich ist es wirklich?

← Zum großen Aconcagua Q&A