Aconcagua-Wissen · Gefahren

Wie gefährlich ist der Aconcagua wirklich?

Die ehrliche Antwort: gefährlicher als die meisten Urlaubsziele, harmloser als sein Ruf – wenn man sich an die Regeln hält. Und genau um diese Regeln geht es.

Die Zahlen, ohne Drama

Pro Saison versuchen mehrere Tausend Menschen den Gipfel; es sterben im Schnitt zwei bis drei pro Saison, fast immer oberhalb von 6.000 Metern. Allein in den gut zwei Wochen, in denen wir am Berg waren, starben zwei Menschen – unsere Saison lag mit vier Toten über dem Schnitt.

Entscheidend ist, woran: Die große Mehrheit der Todesfälle geht auf Höhenkrankheit, Herz-Kreislauf-Versagen und Erschöpfung zurück – nicht auf Abstürze. Die Normalroute hat keine technischen Kletterpassagen. Der Aconcagua bestraft selten den Fehltritt, aber zuverlässig die Selbstüberschätzung.

Die vier Regeln, die den Unterschied machen

  1. Langsam aufsteigen – die Akklimatisierung bestimmt das Tempo, nicht der Ehrgeiz.
  2. Viel trinken – sechs bis acht Liter täglich.
  3. Ehrlich mit Symptomen umgehen – Kopfschmerz, Übelkeit und Verwirrtheit verschweigt man nicht, auch nicht aus Angst, die Expedition zu gefährden. Ich habe diesen Fehler selbst gemacht; warum das die gefährlichste Nacht meiner Expedition wurde, steht im Buch.
  4. Im Zweifel umkehren – die vielleicht größte Leistung am Berg. Einer aus unserer Gruppe drehte kurz vor dem Gipfel um; es war die stärkste Entscheidung, die ich dort oben gesehen habe.

Die Gefahr ist beherrschbar für den, der alle vier befolgt. Sie ist tödlich für den, der eine davon weglässt.

Die Schattenseite: Rettung in der Höhe

Worüber selten gesprochen wird: Oberhalb von rund 6.000 Metern wird jede Rettung zum Großeinsatz, denn irgendwann ist die Luft selbst für Helikopter zu dünn. Am Aconcagua ist die Lage deutlich besser als im Himalaya, aber auch hier kann es dauern, bis jemand geborgen werden kann. Genau deshalb ist die Spezialversicherung für Bergungen oberhalb von 6.000 Metern Pflicht – und der wichtigste Rettungshelfer bleibt die eigene Umkehrentscheidung.

Auch das gehört zur Risikoabwägung: Wetter. Der Berg ließ in unserer Saison 16 Tage lang niemanden auf den Gipfel. Wer sein Zeitfenster erzwingen will, statt auf das Wetterfenster zu warten, wird Teil der Statistik.
Buchcover: Der steinerne Wächter von Raphael Mielke

Die ganze Geschichte dazu steht im Buch

„Der steinerne Wächter“ erzählt die Expedition hinter diesen Zahlen – drei Wochen zwischen Staub, Sturm und dünner Luft. #1 Amazon-Bestseller (Reisen nach Argentinien).

Jetzt auf Amazon kaufen

Weiterlesen: Training für den Aconcagua · Die Packliste für den Gipfeltag · Was kostet die Expedition?

← Zum großen Aconcagua Q&A